Warum „Essen“ tatsächlich Leib und Seele zusammenhält

Im Zuge der Demenz hatte meine Kundin Scheu, den Herd zu bedienen. 

Mein Aufgabenfeld wurde daher von ihrem Sohn um die Vorbereitung bekömmlicher und gesunder Mahlzeiten für sie erweitert. 

Ich kann recht gut kochen und tue dies auch sehr gerne – so stellte die Aufgabe für mich keine Herausforderung dar. 

Für Ihre, allein Daheim lebenden, Lieben kann es aber durchaus eine Schwierigkeit darstellen:

Essen: Teilschritte, die für alleinlebende Senioren eine Hürde sein können

– Rezept auswählen
– Vorräte prüfen
– Einkaufszettel schreiben
– Evtl. Budget festlegen
– Einkaufen
– beim Einkaufen Budget prüfen
– Waren aufs Band legen
– Bezahlen
– einpacken
– Daheim auspacken und wegräumen
– Benötige Lebensmittel zum Kochen vorbereiten
– Benötigte Utensilien bereitlegen
– kochen
– Tisch decken
-> Essen
– Küche aufräumen

"Ich dachte, meine Mutter ist einfach im Alter lustlos geworden. Dabei hat sie es sich einfach nur nicht mehr allein zugetraut, einzukaufen. Jetzt ist sie stolz, eine 'persönliche Assistentin' zu haben, die sie begleitet. Wenn wir telefonieren, erzählt sie mir mit Freude, von ihrem Einkaufserlebins und was die beiden zusammen zubereitet haben."

Kochen ist mehr als Essen zubereiten – es ist ganzheitliches Training für Senior*innen

Als Senioren Assistentin kann ich nun fix einkaufen gehen und die Mahlzeit zubereiten. (Natürlich mache ich das auf Wunsch oder bei Notwendigkeit auch so.)

Meine Ziel ist jedoch, die Selbständigkeit ihrer allein lebenden Senioren solange wie möglich zu erhalten und daher zu trainieren. Das Ganze natürlich möglichst beiläufig und mit viel Vergnügen!

All diese Aktivitäten rund um das Thema „Essen“ eignen sich hervorragend, um zahlreiche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Senior*innen zu erhalten und zu fördern. Die einzelnen Teilschritte sprechen unterschiedliche Bereiche an: kognitive, motorische, soziale, alltagspraktische und emotionale Kompetenzen.

Viele denken bei Förderung und Aktivierung sofort an Gedächtnisübungen oder Bewegungstraining. Dabei steckt in einer ganz alltäglichen Tätigkeit bereits ein umfassendes Trainingsprogramm: gemeinsam kochen.

Das Besondere daran? Die Förderung geschieht ganz nebenbei und fühlt sich nicht wie „Training“ an.

Schon die Vorbereitung aktiviert zahlreiche Fähigkeiten:

  • Ein Rezept auswählen und Zutaten planen trainiert Aufmerksamkeit, Entscheidungsfähigkeit und Gedächtnis.
  • Vorräte prüfen und einen Einkaufszettel schreiben fördert Orientierung und Organisation.
  • Beim Einkaufen Preise vergleichen und das Budget im Blick behalten stärkt die Alltagskompetenz und das Rechnen.

    Auch während der Zubereitung wird viel trainiert:

  • Gemüse waschen, schälen und schneiden fördert Feinmotorik und Handgeschicklichkeit.
  • Benötigte Utensilien zusammensuchen trainiert Planung und Handlungsabläufe.
  • Beim Kochen werden Erinnerungen geweckt, Gespräche angeregt und soziale Kontakte gepflegt.

Selbst das Tischdecken, gemeinsame Essen und anschließende Aufräumen sind wertvolle Aktivitäten, die Selbstständigkeit, Beweglichkeit und Teilhabe am Alltag unterstützen.

Das Schöne daran: Die Senior*innen erleben sich nicht als „Trainierende“, sondern als aktive Menschen, die etwas Sinnvolles schaffen. Das stärkt das Selbstwertgefühl und vermittelt Erfolgserlebnisse.

Oft sind die besten Übungen genau die, die gar nicht wie Übungen wirken.